Wieviel Windkraft verträgt der Vestruper Einwohner?

Bakum. Es ist Dienstag, 11. Juni 2013, gegen 19 Uhr. Der öffentliche Teil der Sitzung des Bakumer Gemeindrates ist zu Ende, das Thema war die Planung des Windparks Vestrup. Die Zuhörer haben den Ratssaal verlassen. Es sind vorwiegend die Gegner des Windparks, der im Raum Vestrup und Lüsche entstehen soll. Sie sind verärgert und diskutieren noch vor dem Rathaus gemeinsam über die Beratung der Windanlagen, die vor ihrer Haustür aufgestellt werden sollen. Noch steht nicht endgültig fest, ob der Windpark wirklich entstehen wird. Es wurde nur über eine dazu notwendige Änderung des Flächennutzungsplanes entschieden.

SPD-Fraktionchef Siegfried Böckmann fordert in der Ratssitzung darüber eine namentliche Abstimmung. Die CDU-Ratsherrn sollen „Farbe“ bekennen. Und das tun sie. Nur zwei der 16 Ratsmitglieder stimmen dagegen, dass die Weichen Richtung weitere Planung des Windparks gestellt werden. Es sind der Vestruper Werner Beckermann und der Hausstetter Abgeordnete Georg Börgerding. Die restlichen Ratsmitglieder stimmen einhellig für die Fortführung der Flächenplanung, auch alle Lüscher Abgeordneten und sogar die „Opposition“ mit dem SPD-Mann Siegfried Böckmann. Ein ausführlicher Artikel über die Ratssitzung ist auch in der heutigen Ausgabe der OV.

Das Ergebnis ist für die Gegner des Windparks, zumeist aus Vestrup, zum Kopfschütteln. Ein Windparkgegner zeigt mir einen Stapel Papier, auf dem Argumente und Zahlen gegen die Windräder zusammengefasst sind. Er erzählt mir, wie gefährlich die Windkraft sei. Zum Beispiel würde beim Betrieb Infraschall ausgesendet, der sich psychisch und physisch negativ auswirken werde. Werden die Vestruper nun alle stark depressiv? Ich frage am nächsten Morgen eine Loherin, die nicht weit entfernt von den Elmelagern Anlagen wohnt. Sie fühle sich in keiner Weise von den Anlagen beeinträchtigt und habe aus dem Dorf noch nie Nachteiliges gehört, antwortet sie auf meine Nachfrage. Und die Dorfgemeinschaft profitiere ja sogar, denn die Elmelager Windkraft spüle Jahr für Jahr Geld in die Loher Bauernschaftskasse, sagt sie.

Anders dagegen äußert sich einer der Windparkgegner am Rathaus. Er habe aus der Nachbarschaft der Elmelager Windanlagen Klagen gehört.  Und diese Nachteile fürchten nun  auch die anderen Vestruper Windparkgegner. Eine Frau erklärt mir, wie sehr der Schattenwurf dieser riesigen Windmühlen die Lebensqualität in der Nachbarschaft einschränken werde und schaut mich mit großen entsetzten Augen an. Ich überlege mir, wie ich selbst wohl denken und handeln würde, wenn 200 Meter große Windkraftanlagen nicht weit von meinem Haus entfernt entstehen sollen. Oder eine Starkstrom-Leitung über mein Grundstück gespannt werden soll. Wenn es einem selbst betrifft, denkt man anders darüber, als wenn es weit entfernt droht. Oder waren Bürger aus dem eigentlich beschaulich konservativen Örtchen Vestrup unterwegs zu Anti-AKW-Demos in Gorleben oder Brockdorf? Nicht dass ich wüsste!

Wir wollen alle die Abschaffung der Atomenergie, aber Bio stellt sich auch nicht wirklich als wirklich „öko“ heraus. Die Biogasanlagen vermiesen die Flächenpreise für die Landwirte, vermaisen die südoldenburger Gegend und stinken Nachbarn zum Himmel. Und die ursprünglich so „sauberen“ Windanlagen und dafür erforderlichen Stromtrassen will auch keiner in der Nähe haben. Da hilft nur noch, dass Fledermäuse und seltene Vögelchen dem Öko-Unheil ein Ende machen. „Wir Menschen zählen bei der Entscheidung nicht, nur noch der Schutz bedrohter Fledermäuse oder irgendein rares kleines Sumpfpflänzchen kann den Vestruper Windpark noch stoppen“, bringt es ein Windparkgegner noch auf den Punkt.

Ich möchte nicht in den Reihen der Bakumer Ratsmitglieder sein. Die Entscheidung für oder gegen den Windpark ist nicht so einfach. Würde der Windpark verhindert, wird man in einigen Jahren dies ihnen vorwerfen. Sie haben eine Chance nicht genutzt, erneuerbare Energien zu fördern. Nur, wie nah dürfen die Anlagen menschlicher Bewohnung wirklich kommen? Dies kann letztlich kein Ratsmitglied ohne fremde Hilfe entscheiden. Sicherlich klingelt bei einigen ständig das Telefon, weil Befürworter oder Gegner der Windkraft ihre Fragen und Forderungen an sie richten. Die Verantwortung für oder gegen den Windpark müssen sie in jedem Falle tragen. Und kein Ratsherr kann es hier allen recht machen.

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