Windpark Vestrup: Bankleiter Kellermann und Bohmann erklären die „Bürgerbeteiligung“

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Bankleiter Hermann Bohmann und Franz Kellermann

Bakum. Die Bankleiter Franz Kellermann und Hermann Bohmann luden mich zu einem Gespräch in die Volksbank Bakum ein, um mir das geplante Finanzierungskonzept zu erklären. Sie reagierten damit auf meinem Blogbeitrag „Die nebulöse Finanzierung des Vestruper Windparks„, der für einigen Wirbel gesorgt hat.  Gleich zu Beginn stellten sie klar: Die Bürger werden – wie von Bakumer Politikern gefordert – mit 30 Prozent an dem Windpark beteiligt. Und noch eines war den beiden Bakumer  Bankchefs wichtig: Es werden nach aktuellem Planungsstand wahrscheinlich nur 10 Windanlagen gebaut  (und nicht 16 Anlagen wie in der OV-Ausgabe vom 11. Juni geschrieben). Die beiden Bankleiter erläuterten mir das mögliche Konzept folgendermaßen:

Planung und Bau des Windparks wird durch eine Projektgesellschaft der EWE organisiert, die auch die Ausschreibungen an die Windanlagenbauer vergeben wird. Voraussetzung hierfür sei, so die Bankleiter der Volksbank, die Genehmigung des Windparks nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz. Nach Fertigstellung des Windparks wird eine Betreibergesellschaft in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft die Anlage von der EWE-Projektgesellschaft zum Nettopreis (=0hne Gewinnaufschlag der Projektgesellschaft) übernehmen. An der Gesellschaft werden neben den Grundstückseigentümern (43,9%), der EWE (25,1%), der Gemeinde Bakum (1%) auch Bürger zu 30% beteiligt. Komplementärin (Vollhafter) der Betreibergessellschaft soll eine Genossenschaft sein, in der die Gemeinde, die Volksbank und die EWE vertreten sind. Über einen Beirat werden die Bürger und Grundstückseigentümer eingebunden. Eine unabhängige Überwachung soll die Interessen aller Beteiligten sicherstellen.

Wie vergleichsweise bei einer Hausfinanzierung wird auch bei der Betreiberfirma des Windparks  der Hauptanteil (70%) des erforderlichen Kapitals durch Fremdkapital und nur zu einem geringeren Anteil (30%)  durch Einlagen der Eigentümer aufgebracht. Dies sei bei einem solchen Großprojekt völlig normal, betonen die Bankleiter. Dies ändere aber nichts an den Eigentumsverhältnissen. Die Bürger bleiben zu 30 % am Eigenkapital der Betreibergesellschaft beteiligt, auch wenn sie erheblich weniger als 30 % der Gesamtinvestition als Einlage eingezahlt haben. Wieviel Fremdkapital zur Finanzierung eingesetzt werde, sei dabei ganz unerheblich. Das Gewicht der Bürgerbeteiligung wirke sich bei allen wichtigen Entscheidungen aus, zum Beispiel bei einem Weiterverkauf der Anlage nach 20 Jahren Laufzeit und erfolgter Tilgung des Fremdkapitals durch die Erträge aus den Anlagen. In einem solchem Falle würde den Bürgern ihr Anteil von 30% am Verkaufserlös ausgezahlt, obwohl sie nur 9% der Gesamtinvestition eingezahlt haben. „Wir Banken verdienen bei einem solchen Projekt nur an den Kreditzinsen, und das ist halt genauso unser Geschäft, wie du in deinem Laden mit Textilien Geld verdienen willst“, erklärte mir Franz Kellermann.

Die Volksbank Bakum habe bislang keinen offiziellen Prospekt herausgeben können, da dieser erst durch die BAFIN genehmigt werden müsse. „So ein Prospekt ist kein Handzettel“, sagte Kellermann und drückte mir einen 98seitigen kleingedruckten dicken Wälzer eines ähnlichen Windparkprospektes in die Hand. „Wenn du willst, leihen wir dir diesen Prospekt gerne mal zur Ansicht aus“, lächelte er mich an. Ich verneinte dankend sein Angebot.

Überhaupt könne die sehr komplizierte Bürgerbeteiligung eines solchen Projektes nur von „geschulten Leuten“ und einer entsprechenden „Organisation“ abgewickelt werden, erläuterten die Bakumer Bankmänner. Die Volksbank Bakum sei als dazu geeignet ausgewählt worden.  Die Bakumer Volksbank habe mehrere Mitarbeiter mit einer ausreichenden Qualifikation zum Vertrieb von Beteiligungen. Die Mitarbeiter müssten bei der Beratung von Interessenten, die sich an dem Windpark beteiligen wollen, viele gesetzliche Bestimmungen einhalten. Mir wurde von den beiden Bankvorsitzenden eine ganze Flut an Formularen und Beratungsnachweisen auf den Tisch geblättert.  Bankleiter Franz Kellermann und Hermann Bohmann baten mich, in meinem Beitrag unbedingt darauf hinzuweisen, dass sie jederzeit zur Auskunft über das Projekt bereit seien: „Schreib bitte in dein Blog,  wenn jemand Fragen hat, soll er uns anrufen!“

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