Zwanzig Jahre Mauerfall – Zwanzig Jahre Deutsche Einheit. Ein runder Geburtstag steht auch bei mir in wenigen Wochen an. Und 10 Jahre feiert unsere örtliche Frauengemeinschaft. Jubiläen und Jubliäen.
Eigentlich dachte ich mir die Wochen, in denen dem 20jährigen Mauerfall gedacht wurde, es wird ein wenig übertrieben. Am gestrigen Abend schauerte es mir doch über den Rücken, als ich bei ZDF und ARD die Berichterstattung zum Fest 20 Jahre Mauerfall sah.
Es war mehr als eine Supershow, moderiert von Thomas Gottschalk. Wenngleich die fallenden Domino-Mauersteine durch die Berliner Innenstadt, die Reden von Staatsleuten wie Gordon Brown, Hillary Clinton, Dmitri Medwedew und anderen schwer beeindruckten.
Am meisten imponierten mir allerdings die Worte des ehemaligen Solidarnosc-Führers Lech Walesas. Nicht die Politiker hätten die friedliche Revolution bewirkt, die letztendlich zur Überwindung der Trennung Europas führte. Es seien die Menschen gewesen, die zu ihren Werten standen, die das Unglaubliche zur Realität machten.
Bewegend waren auch die Erinnerungen, die Menschen beim Fest ausdrückten, die den Mauerfall direkt erlebt hatten. Die durch die geöffneten Schranken in die „Freiheit“ fuhren. In welche Freiheit eigentllich? Freiheit muss immer wieder neu erkämpft werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Recht hat sie!
Was Unfreiheit ist, habe ich während meines Studiums in West-Berlin zur Zeit der Teilung der Stadt selbst hautnah erlebt. Unvergessen meine Fahrten nach Hause. Meistens stellte ich mich an den Grenzübergangsstellen und trampte dann. In fremden Fahzeugen fuhr ich durch die Kontrollen, die unwirklich in eine fremde Welt eines Staates führte, der alles und jeden pausenlos überwachte.
Auch unvergessen meine Besuche in der damaligen „Hauptstadt der DDR“. Zwangsumtausch. Das Gesicht einer Verkäuferin, die mich für jemand „vom anderen Stern“ hielt, nur weil ich 10 Ostmark klein machen wollte, weil mir der Groschen für die S-Bahnfahrt fehlte.
Der Schreck in den Gliedern, als ich von jemand im kalten Stasiton angesprochen wurde, als ich „Schwarz-Taxi“ (Privat-Taxi) fahren wollte. „Wollen Sie hier Theater machen?“. In Westberlin wohnte ich an der Nähe der Mauer und grüßte regelmäßig die Grenzer in den Wachtürmen.
Freiheit kann nur erschaffen werden, wenn Menschen Werte leben, wenn sie glauben. Und wenn sie glauben, so kann dieser Glaube Berge versetzen. Und Mauern einstürzen lassen, die man für ewig unzerstörbar hielt. Es gibt genug Mauern, die noch einzureißen sind. Lasst uns dies von diesem Abend mitnehmen. Von Leuten wie Lech Walesa.