- update 19.07.08 - Wichtiger Besuch kam nach Bakum. Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) sprach auf Einladung des Facharbeitskreises “Bildung” des CDU-Kreisverbands Vechta über die Zukunft der Haupt- und Realschule St. Johannes Bakum. Wie viele andere kleinere Schulstandorte auf dem Lande muß die Bakumer Bildungsstätte um ihre Zukunft fürchten.
Bekanntermaßen sinken die Schülerzahlen. Besonders bekommen dies die Hauptschulen zu spüren. Bakums Schulleiter Werner Völker erläuterte dies vor dem Bakumer Gemeinderat und stellte den Gemeindevertretern einen Schulversuch “Profilierte Regionalschule” vor:
In der „Profilierte Regionalschule“ sollen die Schülerinnen und Schüler, die kein Gymnasium besuchen, gemeinsam beschult aber in den Hauptfächern entsprechend ihren Fähigkeiten differenziert in Lerngruppen unterrichtet werden. Dies, so Herr Werner Völker, führe zu einer gezielten und individuellen Förderung eines jeden Kindes und zu einer besseren Akzeptanz der Hauptschule und damit auch des Schulstandortes Bakum. Quelle: Ratsprotokoll der Gemeinde Bakum vom 23.06.08
Dieser Vorschlag fand von allen Seiten große Zustimmung, kann man in dem Protokoll nachlesen. Schließlich haben die Bakumer schon jahrelang in Schulversuchen erfolgreich bewiesen, dass eine engere Kooperation der Haupt- und Realschule sich für alle Beteiligten positiv auswirkt. Dem Schulleiter Völker und seinen Kolleg(inn)en werden bei allen möglichen Gelegenheiten für ihre hervorragende Arbeit an der Schule auf die Schultern geklopft. Und selbst Hauptschulabgänger haben in Bakum eine Chance, hört man. Weil das Niveau stimmt und soziale Kompetenzen ebenfalls an der Schule gefördert werden.
SPD-Ratsherr Siegfried Böckmann “gratulierte” dem Schulleiter zum neuen Schulmodell. Das sei binnendifferenzierter Unterricht, wie er ihn schon lange fordere. CDU-Ratsherr Averbeck bedankte sich beim Schulleiter. Es gäbe “Bewegung in der Schullandschaft”. CDU-Ratsherr Eiken hält die “profilierte Regionalschule aufgrund seiner Erfahrungen mit der Sekundarschule für den optimalen Weg”. Zwar gab es bei der Ratssitzung Nachfragen zur Realisierung des Schulversuchs. Kritische oder negative Meinungen zum Schulversuch wurden allerdings nicht geäußert.
Ein echter Dämpfer ist für die Bakumer die Entscheidung von Heister-Neumann, dass in Bakum kein solcher Schulversuch stattfinden soll. Die “Profilierte Regionalschule” passt halt nicht ins Konzept der CDU, die die strikte Fortführung des dreigliedrigen Systems Hauptschule - Realschule - Gymnasium will. Aufweichungen dieses Bildungskonzeptes sind nicht gewünscht. Denn das Bakumer Beispiel könnte Schule machen.
Nach einer schlechten Nachricht muß immer auch eine gute folgen. Das Wahlvolk darf man schließlich nicht völlig vergraulen und Schulpolitik kann Wahlentscheidungen beeinflußen. So erklärte die Minsterin sich bereit, “Erlasse zu lockern und so Einschränkungen des gemeinsamen Unterrichts von Real- und Hauptschülern außer Kraft setzen.” Damit soll den kleinen Schulstandorten wie Bakum eine Chance zur weiteren Existenz gegeben werden. Inwieweit diese Lösung eine Basis für die dauerhafte Zukunft einer wohnortnahen Beschulung in kleinen Gemeinden ist, muß sich allerdings noch herausstellen. Dazu ist noch einiges an Anstrengungen unserer örtlichen Politiker zu leisten, um den Umdenkprozess auf überregionaler Ebene zu fördern.
Update 19.07.08:
Offiziell wurde auf der Schulhompage der St. Johannes Schule die Kultusministerin für ihre Entscheidung gelobt. Es handele sich um eine “gute Nachricht”, dass es “erst mal weiter gehen könne”. Die Ministerin habe “für die Kinder, die jetzt nach diesem Modell eingeschult werden, ein Fortbestehen “der Übergangslösung des schulübergreifenden gemeinsamen Unterrichts “bis zum Abschluss” zugesichert. Dies bedeutet, die Schüler brauchen nicht zu fürchten, an der Bakumer Schule ihren Abschluss nicht machen zu können.
Der Quakenbrücker Landtagsabgeordnete Claus Peter Poppe (SPD) kritisierte in der Oldenburgischen Volkszeitung allerdings die “Bakumer Sonderregelung”. “”Wer immer von Eigenverantwortung der Schulen spricht, der soll doch Entscheidungen über schulformübergreifenden Unterricht auch den Schulen eigenverantwortlich überlassen, statt sienoch immer zu gängeln,” wird er in der Vechtaer Zeitung am 19. Juli 2008″ zitiert. Die strikte Trennung der Schulformen lasse sich auf Dauer nicht durchhalten, die jetzige Regelung der Schulpoliti sei “halbherzig”. Er wolle deshalb noch mal nachhaken.