Die Hölle des Nordens - Oldenburgs neue Fußballarena
Video: Rolf Hilchner, Geschäftsführer der Oldenburger Internetfirma Ashampoo, stellt das neue Stadionprojekt vor.
Gerne erinnere ich mich an die Zeiten, als der VFB Oldenburg im Donnerschwee-Stadion packende Fußballduelle in der Regionalliga und später sogar in der 2. Bundesliga lieferte. Ein Stadion mit langer Geschichte. Und mit einer prickelnden Atmosphäre. Das Stadion, welches nur mit Stehplätzen ausgestattet war, bebte, wenn es gut besetzt mit den Oldenburger Fans mit blauen Fahnen war. Wenngleich nicht alle Zuschauer auf allen Rängen was sehen konnten, erleben konnten sie in Donnerschwee jede Menge. Auch optisch war das Stadion recht eigenartig. Der Eingangsbereich war im Klinkerstil gestaltet.
Doch später ging einiges beim VFB daneben. Der große Absturz Ende der 90iger - sportlich und finanziell - führte in die bedeutungslose Niedersachsenliga West. Das Donnerschwee-Stadion mußte verkauft werden. Im städtischen Stadion Marschweg, welches eigentlich eher ein Leichtathletikstadion und daher ungeeignet als Fußballarena ist, kickte die Mannschaft so vor sich hin und verlor an Beachtung. Das Donnerschwee-Stadion lag jahrelang verwaist als Ruine mitten in Oldenburg und wurde zum Schandfleck der Stadt.
Deshalb planten einige hartgesottene VfB-Fans, eine Oldenburger Internetfirma, ein Architektenbüro und ein Projektplaner diesen Zustand zu ändern und eine neue Fußballbühne in der Großstadt mit 160.000 Einwohnern zu errichten. Und ähnlich wie das frühere Stadion sollte es ebenfalls in Klinkerbauweise wieder auferstehen. Zwei Filme und eine Websites zur Bekanntmachung der Initiative wurden auch dazu ins Internet gestellt.
Die Firma Ashampoo hatte schon im Jahr 2006 mit einer spektakulären Marketingoffensive auf sich aufmerksam gemacht. Mit einer Initiative “Es reicht!” und großen Anzeigen in führenden Tageszeitungen sowie einer Internetkampagne forderte die Firma Bürger und Unternehmen auf, Geld zur Verringerung der Staatsverschuldung auf ein Treuhandkonto zu überweisen. Die dabei zusammen gekommenen 25.034,63 € überwies die Firma dann publikumswirksam an das Bundesfinanzministerium. Für die Finanzkasse war dies ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Firma Ashampoo wurde mit dieser Aktion bundesweit bekannt.
Mit der Initiative Stadionbau wollte die Firma, scheint mir, sich wieder einmal auf unkonventionelle Weise ins Gespräch bringen. Nach dem Motto “Tue Gutes und sprich darüber!”, und dies ganz im amerikanischen Stil. Im Rahmen der Aktion wurden Ziegelsteine und ein roter Porsche verscherbelt, um ans (Spenden)-Geld der Leute zu kommen. Leider ist außer dem Aufmerksamkeitseffekt für Ashampoo bislang kein neues Stadion für den VFB Oldenburg rausgesprungen. Und bislang ist von einer Rückkehr der Blau-Weißen aus Oldenburg zumindest in die Zweitklassigkeit auch noch keine Rede. Wozu also dann eine solche Arena?! So lange dies der Steuerzahler nicht bezahlt, soll es mir egal sein.
Mittlerweile ist es ein wenig ruhiger um das neue Stadion geworden. Eine erhoffte Unterstützung vom Land Niedersachsen für dieses Projekt wurde abgesagt und die notwendige sportliche und wirtschaftliche Basis des VFB Oldenburg reichen (noch?) für die Realisation nicht aus. Ashampoo hat inzwischen die Spendengelder aus “steuerlichen Gründen” zurückgezahlt und sich indirekt aus dem Projekt zurückgezogen, nutzte diesen Schritt jedoch wieder einmal zu einem publikumswirksamen Aufruf. Das “trashige Video” des Spendenaufrufs (Zitat ZDF) ist aber dennoch weiterhin online. Beste Gelegenheit, die Firma im Gespräch zu halten, die Zuschauerzahl von fast 500.000 des Videos ist ja auch ein schlagendes Argument hierfür.
Jetzt haben andere Fans von der offiziellen Faninitiative des VFB eine weitere Internetseite “Hölle 2.0” (Ein intelligenter Name für’s Projekt!) ins Netz gestellt. Auf dieser Homepage wird noch mal die Geschichte das Oldenburger VFB-Stadions ausführlich in Bild und Text dagestellt und über den Stand der Dinge berichtet.
Schlagworte: Medien, Oldenburg, Stadtplanung, Werbung
Sonntag, 4. Februar, 2007 um 5:18 Uhr nachmittags
Lieber Schorsch,
ich habe noch an diesem Wochenende jemandem von den guten alten Zeiten in Donnerschwee vorgeschwärmt. Wo man noch kein Operglas brauchte und dem eigenen rechten Verteidiger oder den gegnerischen Stürmer vom Stehplatz über Hecke und Geländer hinweg noch richtig zur Sau machen konnte, wenn man es für angebracht hielt, was in pubertären Zeiten eigentlich ständig der Fall war. Ich gehörte zur Hölle von Donnerschwee.
In ein neues Oldenburger Fußballstadion würde ich glatt einmal hineingehen, aus Sentimentalität. Wir gehen dann zusammen. Platz dürfte ja zunächst noch genug sein, beim Pflichtspiel in der 17. Liga. Obwohl ich ja eigentlich vom Herzen nicht VfBer, sondern VfLer bin. Noch heute trage ich beim Pfarrer-Kick grüne und nicht blaue Stutzen.
Gut Sport,
Heri